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    Der Dom von Roskilde © teger  / pixelio.de

     

     

    Es ist eine typisch dänische Szenerie auf dem Platz vor dem Rathaus von Roskilde, an einem Sonnabendvormittag im Frühsommer. Junges Volk, ältere Hausmänner und Hausfrauen schlendern über den Wochenmarkt, der auch ein Flohmarkt ist. An allen Ecken flattert der rotweiße Dannebrog, Teenager knattern über eine Skaterrampe, mutig bis übermütig. In den Straßencafés und vor den Restaurants werden die ersten Frokostplatten aufgedeckt, „Sternschnuppe“ zum Beispiel, viel Fisch, viel Remoulade, etwas Salat und Brot. Und auch die ersten Tuborg oder Carlsberg sind angezapft. Jazzmusik weht durch die Altstadt, Oldies spielen Oldies „...down by the riverside“, „ice cream, you scream,..“. So starten viele dänische Städtchen ins Wochenende. Und doch ist in Roskilde alles ein bisschen anders. Denn in dieser Stadt auf der Insel Seeland, nur 30 Kilometer von Kopenhagen entfernt, hat einmal das Herz Dänemarks geschlagen - und schlägt es womöglich heute noch. Roskilde war bis ins 15. Jahrhundert hinein die mächtigste Stadt Nordeuropas, Bischofssitz, königliche Residenz, Handelsmetropole. Harald Blauzahn hat hier, in der legendenverklärten Wikinger-Hochburg, vor über tausend Jahren das erste Gotteshaus auf der Insel Seeland errichten lassen. Nach der Reformation verlor Roskilde allerdings rasch an Bedeutung, die Macht verlagerte sich nach Kopenhagen. Aber noch immer prunkt die kleine Stadt, knapp 50.000 Einwohner, mit großen Schätzen, deren größter der Dom ist. Er gehört nicht nur zum Weltkulturerbe, sondern birgt, für die patriotischen Dänen ist das wichtiger als so ein Etikett, die Gräber fast aller ihrer Herrscher, von Harald Blauzahn über Margrethe I., deren Sarkophag aus dem Jahre 1423 direkt vor dem Altar steht, bis zu Ingrid und Frederik IX., den Eltern der heutigen Monarchin Margrethe II. - 39 Königinnen und Könige insgesamt.

    Wikinger auf Kaperfahrt

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    Das Wikingermuseum von Roskilde  © visitDenmark

    Von den Skatern und Marktfrauen zum alles überragenden Dom sind es nur ein paar Schritte, vorbei an einem Barockpalais, in dem 1840 das Grundgesetz dieses Landes beschlossen wurde. Und noch ein paar Schritte weiter, quer durch den Stadtpark, und schon stehen wir am Wasser, am Roskildefjord, in den in diesen Sommertagen wieder die Wikinger aus dem Museumshafen zur fröhlichen Kaperfahrt aufbrechen. Es sind so genannte Demo-Schiffe, mit Geschichtsstudenten im Wikingerlook besetzt. Auf dem Trockenen hingegen liegen fünf Originalboote aus dem 11. Jahrhundert, dazu die weltweit größte Rekonstruktion eines Wikingerschiffes.

    Das also macht Roskilde aus: bedeutende Kirchen, viel Spaß in einer gemütlichen Altstadt und beste Erklärungen für alle Fans von Wicky und den starken Männern. Dazu ein Musikangebot, das konkurrenzlos ist in ganz Skandinavien. Bummeln wir mit Ulla Græm durch ihre Heimatstadt. Die Stadtführerin, mit viel Humor und Lokalstolz ausgestattet, nimmt sie die große Metropole in der Nachbarschaft gern ein bisschen auf die Schippe: „Als alle Macht von Roskilde ausging, war Dänemark immerhin elfmal größer als heute“, lästert sie, und lässt dabei außer acht, dass seither gut 500 Jahre ins kleiner gewordene Land gegangen sind. Ulla weiß um die Stärken und Schwächen der vielen Könige, die im Dom versammelt sind; sie erzählt gern Döntjes, von Christian IV. beispielsweise, dem wohl bedeutendsten Herrscher: „...ein großer König, aber ein lausiger Ehemann, 24 Kinder hat er gezeugt, mit fünf verschiedenen Frauen...“ Am Grab der Eltern von Margrethe II., nicht im, sondern neben dem Dom, weist Ulla auf Steine von Grönland, den Färöern und aus Bornholm hin, den letzten Außenposten des geschrumpften Reiches.

    Info:

    Seeland: Schlösser und schöne Seebäder

    Seeland gilt den Dänen als Insel der Könige und ihrer schönsten Schlösser. Abstecher sind empfehlenswert, z.B. ins Schloss des Shakespeare-Prinzen Hamlet in Helsingør, nach Frederiksborg, heute Nationalmuseum, oder nach Fredensborg zur Sommerresidenz der Königsfamilie. Schöne Seebäder und Hafenstädtchen zeichnen die Nordküste aus, z.B. Hornbæk, Gilleleje und Tisvildeleje. Die Kombination Roskilde-Kopenhagen versteht sich von selber.

    Anreise:

    Mit Flugzeug oder Bahn via Kopenhagen. Mit dem Auto über die Vogelfluglinie, weiter über E 47/E 65 und über die Straße Nr. 6.

    Gut schlafen:

    Bestes Haus: Hotel „Prindsen“, DZ ab ca. 210 Euro, www.prindsen.dk; gehobene Jugendherberge in toller Lage: „Danhostel Roskilde“, DZ ca. 70 Euro, www.danhostel.dk/roskilde.

    Gut essen:

    Beste Frokost-Adresse: „Rådhuskælderen“ unter dem alten Rathaus und auch open air, unter alten Apfelbäumen; das Restaurant „Mumm“ in der Altstadt; gläsernes Bistro am Wikingermuseum: „Snekken“; gemütlicher Brauereihof: „Bryggergaarden“ in der Algade.

    Events:

    Jazz Days: über die Stadt verteilte Konzerte, immer am 3. Wochenende im Juni, in diesem Jahr vom 15.-17. Juni. Info: www.roskildejazzdays.dk. Roskilde Festival: Nordeuropas größtes Open Air-Rockspektakel findet vom 5. bis 8. Juli 2012 statt. Der Preis für eines der 75.000 Tickets für das Roskilde Festival – inklusive Camping und Parkplatz - beträgt 1.790 Kronen (240 Euro). Dafür kann rund 150 Bands und DJs zugehört und zugeschaut werden. Ein Tagesbillet kostet 900 Kronen (120 Euro). Erste Zusagen kamen bereits von Bruce Springsteen und Björk. Info: www.roskilde-festival.dk.

    Wikinger:

    Das Wikingerschiffmuseum ist, wie der Dom, ein absolutes Muss in Roskilde; es hat täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, www.vikingeskibsmuseet.dk/de.

    Auskunft: Tourist-Information, Tel. +45 4631 6565, www.visitRoskilde.com.

    Bei Dänemarks offizieller Tourismuszentrale sind regionale Informationsbroschüren und Straßenkarten erhältlich: VisitDenmark, Postfach 70 17 40, D-22017 Hamburg, Tel. 018 05 / 32 64 63 (14 Ct./Min. Festnetz, Mobilfunkhöchstpreis 42 Ct./Min.), www.visitdenmark.com (mit Onlinebuchung von über 26.000 Ferienhäusern sowie fast 300 Hotels).

     

     

     
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