Nachhaltiger Mobilfunk: Was sich im Alltag ändern kann

Nachhaltiger Mobilfunk: Was sich im Alltag ändern kann

Drei Amiva Inhaber sprechen über Energieverbrauch, Geräte, Transparenz und die Frage, welche Verantwortung Anbieter und Nutzer tragen.

Mobilfunk hat einen materiellen Fußabdruck

Nachrichten verschicken, Videos streamen oder unterwegs arbeiten gehört für viele Menschen zum Alltag. Was dabei leicht aus dem Blick gerät, ist die Infrastruktur dahinter. Mobilfunk benötigt Netze, Rechenzentren, Sendemasten, Endgeräte, Rohstoffe und Energie. Gleichzeitig werden Tarife im Markt häufig vor allem nach Preis, Datenvolumen und Netzqualität beurteilt. Nachhaltigkeitsaspekte spielen bislang eine deutlich kleinere Rolle.

Das betrifft nicht nur die technische Seite. Auch die Nutzungsdauer von Smartphones, Lieferketten, Energiequellen und der Umgang der Anbieter mit Kundinnen und Kunden gehören zur Debatte. Amiva beschreibt nachhaltigen Mobilfunk deshalb als Zusammenspiel ökologischer, sozialer und unternehmerischer Verantwortung. Das Unternehmen verweist unter anderem auf eine Analyse seines Fußabdrucks mit ClimatePartner und auf seine B Corp Zertifizierung.

Mobilfunkinfrastruktur für nachhaltigen Mobilfunk in Deutschland

Mobilfunkinfrastruktur für nachhaltigen Mobilfunk in Deutschland

Nachhaltigkeit muss im Alltag funktionieren

Ob ein nachhaltigeres Angebot genutzt wird, hängt nicht allein von Umweltzielen ab. Auch der Wechsel zwischen Anbietern muss verständlich und praktisch funktionieren. Amiva unterstützt Kundinnen und Kunden bei der Rufnummernmitnahme und kann bei entsprechender Auswahl im Bestellprozess die Kündigung beim bisherigen Anbieter übernehmen. Ein neuer Vertrag lässt sich laut Anbieter außerdem bereits abschließen und zu einem späteren Zeitpunkt starten.

Seit 2024 investiert Amiva nach eigenen Angaben in Windkraft Repowering. Pro Tarif soll dabei doppelt so viel erneuerbare Energie in das deutsche Stromnetz eingespeist werden, wie durch die Handynutzung der Kundinnen und Kunden verbraucht wird. Der Ansatz zeigt zugleich, worum sich die Diskussion dreht: Nachhaltiger Mobilfunk betrifft nicht nur Kompensation. Entscheidend sind auch Energieverbrauch, technische Infrastruktur, Gerätelebenszyklen und die Frage, wie Angebote für Nutzer konkret funktionieren.

Windenergie als Teil der Energieversorgung für Mobilfunk in Deutschland

Windenergie als Teil der Energieversorgung für Mobilfunk in Deutschland

Interview: Wo steht nachhaltiger Mobilfunk heute?

Die Inhaber von Amiva: Steffen von Alberti, Roland Zimmer und Thorsten von der Stück.

Die Inhaber von Amiva: Steffen von Alberti, Roland Zimmer und Thorsten von der Stück.

Wenn man sich den Mobilfunkmarkt anschaut, dominieren immer noch Preis, Datenvolumen und Netzqualität. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in der Branche?

Thorsten von der Stück: Ehrlich gesagt noch eine viel zu kleine. Der Mobilfunkmarkt funktioniert noch immer stark über schnelle Kaufentscheidungen: möglichst viel Leistung, möglichst viel Datenvolumen, möglichst niedriger Preis. Die ökologischen und sozialen Auswirkungen spielen dabei kaum eine Rolle. Vor allem, weil sie für viele Menschen nicht sichtbar sind. Und genau das ist ein zentraler Punkt: Was man nicht direkt sieht, hinterfragt man auch seltener. Dabei nutzen wir Mobilfunk jeden Tag. Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Was übersehen wir konkret beim Thema Mobilfunk?

Thorsten von der Stück: Wir unterschätzen die Auswirkungen unseres digitalen Alltags ganz erheblich. Mobilfunk fühlt sich immateriell an, fast schwerelos. Daten haben kein Gewicht, Streaming passiert scheinbar im Hintergrund, Kommunikation funktioniert einfach. Tatsächlich braucht all das eine sehr reale Infrastruktur: Netze, Rechenzentren, Server, Sendemasten, Strom, Endgeräte und Rohstoffe. Gleichzeitig steigt der Datenverkehr kontinuierlich, und viele Smartphones werden nach wenigen Jahren ersetzt, obwohl sie technisch oft noch länger nutzbar wären. Wenn man diese Faktoren zusammendenkt, wird klar: Mobilfunk ist kein rein digitales Produkt, sondern Teil eines komplexen Systems mit Energie- und Ressourcenverbrauch.

Trotzdem wird Mobilfunk selten unter Nachhaltigkeitsaspekten diskutiert. Woran liegt das?

Steffen von Alberti: Ein Grund ist sicher, dass Mobilfunk inzwischen so selbstverständlich geworden ist. Er gehört für viele Menschen zur Grundversorgung, ähnlich wie Strom oder Wasser. Dinge, die wir täglich nutzen, hinterfragen wir oft am wenigsten. Gleichzeitig fehlt es an echter Transparenz. Viele Anbieter kommunizieren Nachhaltigkeit, aber es bleibt oft unklar, was konkret dahintersteckt. Wird der Footprint tatsächlich reduziert oder lediglich kompensiert? Werden Lieferketten berücksichtigt oder nur einzelne Maßnahmen hervorgehoben? Deshalb war es uns beispielsweise wichtig, unseren Fußabdruck gemeinsam mit ClimatePartner als externem Partner auf wissenschaftlicher Grundlage analysieren zu lassen. Oder uns dem strengen Prüfverfahren im Rahmen der B Corp-Zertifizierung zu stellen.

Was bedeutet nachhaltiger Mobilfunk denn konkret, wenn man es ernst nimmt?

Steffen von Alberti: Es bedeutet vor allem, das gesamte System in den Blick zu nehmen. Nachhaltigkeit darf sich nicht auf einzelne Maßnahmen beschränken, sondern muss entlang der gesamten Wertschöpfung gedacht werden. Das beginnt bei der Energie, die für Netze und Server benötigt wird, und reicht über die Frage, wie Geräte hergestellt werden, bis hin zu ihrer Nutzungsdauer und Wiederverwertung. Und dazu gehört auch die Frage, wie transparent und fair ein Anbieter gegenüber Kundinnen und Kunden handelt. Für uns ist nachhaltiger Mobilfunk deshalb nicht nur ein ökologisches Thema. Es geht auch um faire Tarife, verständliche Kommunikation und persönlichen Kundenservice. Wirklich verantwortungsvoll wird Mobilfunk erst dann, wenn ökologische, soziale und unternehmerische Verantwortung zusammengedacht werden.

Viele Anbieter setzen auf Kompensation von Emissionen. Ist das aus Ihrer Sicht ausreichend?

Thorsten von der Stück: Kompensation kann ein sinnvoller Teil der Lösung sein, aber sie sollte nicht im Mittelpunkt stehen. Wenn Emissionen lediglich ausgeglichen werden, ohne dass sich an den zugrunde liegenden Strukturen etwas ändert, bleibt das Problem im Kern bestehen. Entscheidend ist aus unserer Sicht zuerst, Emissionen zu vermeiden und zu reduzieren, wo immer das möglich ist. Danach kann Kompensation dort ansetzen, wo Emissionen aktuell bisher nicht vermeidbar sind. Spannend wird es, wenn Unternehmen darüber hinausgehen und aktiv in Lösungen investieren, die langfristig Wirkung entfalten. Bei Amiva investieren wir zum Beispiel in Windenergie und speisen doppelt so viel erneuerbare Energie ins deutsche Stromnetz, wie durch die Handynutzung unserer Kundinnen und Kunden verbraucht wird. Für uns ist das ein Beispiel dafür, Verantwortung nicht nur bilanziell zu denken, sondern gemeinsam einen positiven Beitrag zur Energiewende zu leisten.

Es gibt erste Anbieter, die diesen Weg gehen. Ist das schon ein Wendepunkt?

Thorsten von der Stück: Es ist zumindest ein wichtiges Signal. Solche Ansätze zeigen, dass Mobilfunk auch anders gedacht werden kann. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass das bisher eher Ausnahmen sind. Der breite Markt ist davon noch ein gutes Stück entfernt. Nachhaltigkeit ist im Mobilfunk noch kein Standard.

Aber genau deshalb sind konkrete Beispiele wichtig. Sie zeigen, dass nachhaltiger Mobilfunk machbar ist, ohne dass Kundinnen und Kunden auf gute Netzqualität, faire Preise oder einfache Nutzung verzichten müssen.

Was sind aktuell die größten Hürden für nachhaltigen Mobilfunk?

Roland Zimmer: Eine der größten Herausforderungen ist sicherlich der starke Preisdruck im Markt. Gleichzeitig ist die Branche sehr komplex. Mobilfunk hängt nicht nur von einem Anbieter ab, sondern von Netzbetreibern, Energieversorgern, Hardwareherstellern, Lieferketten, Regulierung und technischer Infrastruktur. Veränderungen brauchen daher Zeit und Zusammenarbeit. Und nicht zuletzt spielt auch die Nachfrage eine Rolle. Solange Nachhaltigkeit für viele Kundinnen und Kunden kein zentrales Entscheidungskriterium ist, bleibt der Anreiz für Veränderungen begrenzt.

Welche Rolle spielen dabei die Nutzerinnen und Nutzer selbst?

Roland Zimmer: Sie haben mehr Einfluss, als vielen bewusst ist. Jede Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Angebot sendet ein Signal in den Markt. Das gilt für Privatkundinnen und Privatkunden genauso wie für Unternehmen. Gerade Unternehmen überprüfen zunehmend ihre Prozesse, Lieferketten und Dienstleister unter Nachhaltigkeitsaspekten. Telekommunikation wird dabei aber häufig noch übersehen, obwohl sie Teil der eigenen Infrastruktur ist.

Gleichzeitig darf die Verantwortung nicht allein bei den Nutzerinnen und Nutzern liegen. Nachhaltige Angebote müssen verständlich, zugänglich und attraktiv sein. Niemand sollte das Gefühl haben, für eine bewusstere Entscheidung auf Leistung verzichten zu müssen. Genau darin liegt aus unserer Sicht die Aufgabe der Anbieter: Nachhaltigkeit alltagstauglich zu machen. Nicht kompliziert, nicht belehrend, sondern so, dass sie zur selbstverständlichen Option wird.

Wie könnte sich der Markt in den kommenden Jahren entwickeln?

Steffen von Alberti: Im Idealfall entwickelt sich ein Markt, in dem Leistung, Preis und Verantwortung künftig stärker zusammengedacht werden, sodass Kundinnen und Kunden nicht mehr zwischen einem guten Angebot und einem verantwortungsvollen Angebot wählen müssen.

Mobilfunk ist ein zentraler Bestandteil unseres Alltags und genau deshalb auch ein zentraler Hebel für Veränderung. Viele Lösungen sind bereits vorhanden: erneuerbare Energien, effizientere Technologien, bessere Möglichkeiten zur Verlängerung von Gerätelebenszyklen und wachsende Transparenzstandards. Entscheidend ist jetzt, wie konsequent wir diese Möglichkeiten nutzen.

Nachhaltiger Mobilfunk sollte kein Nischenthema bleiben. Er sollte zum neuen Standard werden. Dafür braucht es Anbieter, die Verantwortung übernehmen, Kundinnen und Kunden, die genauer hinschauen, und eine Branche, die bereit ist, Mobilfunk weiterzudenken.

Mehr Information:

https://www.amiva.de/

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