Chalkidiki - ein besonderes Stück Griechenland

Workation im Paradies: Leben und Arbeiten auf Mauritius: Bild von Stephen Cruickshank auf Pixabay; 
Der Ratschlag war wirklich gut. Feiner, weißer Sand, kristallklares Wasser und grüne Pinien, die mit ihren weit ausladenden Kronen angenehmen Schatten werfen. Ja, so könnte ein Traumurlaub in der Karibik aussehen. Nur sind wir weit davon entfernt - nicht Karibik, sondern auf der Halbinsel Chalkidiki, die südöstlich von Thessaloniki aus dem nordgriechischen Festland herauswächst. Sie ragt aus Ägäischen Meer wie der gigantischer Dreizack Poseidons, den der grimmige Meeresgott der Griechen in seinem Zorn von sich schleuderte. Jeder der drei Zacken hat seinen eigenen Charakter und jeder hat seine treuen Anhänger. Der westliche Zacken ist die Halbinsel Kassandra, von Thessaloniki am leichtesten zu erreichen. Kassandra ist touristisch am besten erschlossen, hier finden sich viele schöne Strände, an denen kleine und große Hotelanlagen auf Gäste warten.
Sithonia ist der mittlere Zacken der Chalkidiki - eine gebirgige Landzunge, die dicht mit Pinienwäldern überzogen ist. Ein paar kleinere Badeorte gibt es hier, einige Campingplätze und nur eine einzige, größere Hotelanlage - das Sani Beach (siehe Tipps-for-Trips-Reisemagazin 6.2014). Die Küste ist wild zerklüftet, immer wieder öffnen sich kleine, versteckte Buchten, in denen Robinson sich wohl gefühlt hätte. An den größeren Stränden ist es lebhafter, hier finden sich Tavernen und kleine Hotels. Der östliche Zacken ist zu gleich der gebirgigste. Hier ragt der Berg Athos 2033 Meter in Höhe. Zugleich ist die Halbinsel die Mönchsrepublik Athos, Agion Oros,der heilige Berg Griechenlands, doch davon später mehr
Den Ratschlag, zum Strand von Kavoroutribes zu fahren, bekamen wir von, Elektra, der überaus hilfsbereiten Dame des Mietwagenunternehmens. Die Reservierung war irgendwo in den Tiefen des Internets verloren gegangen, der bestellte Golf „mit Klimaanlage“ war nicht da. Elektra - was für ein Name, hieß nicht die hübsche Assistentin von Commisario Brunetti in Venedig auch so? - telefonierte, organisierte und schließlich erhielten wir einen Wagen, einen Audi A6 mit Klima, drei Preisstufen höher - zum Golfpreis. Nun also kann das Unternehmen „Expedition Chalkidiki beginnen.
Doch so schnell wollen wir gar nicht an den Strand. Zunächst wollen wir den nördlichen Teil der Halbinsel erkunden. Sanfte, bewaldete Hügel nehmen uns auf, es ist eine ruhige, unspektakuläre Landschaft. Die wenigen Dörfer sind klein und schnell durchfahren. Überall sehen wir blühende Büsche und Blumen, der Ginster leuchtet gelb an fast jedem Wegesrand, Schmetterlinge gaukeln durch die Luft, die jetzt im Mai noch angenehm warm, aber eben nicht sommerlich heiß ist.
 

Naturnaher Urlaub

 
Es ist eine Region, in der ein naturnaher Urlaub in dörflichen Strukturen möglich ist. Diese einst wirtschaftlich wenig entwickelte bäuerliche Region, wo keine Schlote rauchten und keine Betriebe die Gewässer verschmutzten, kann diesen einstigen Nachteil jetzt als „Standortvorteil“ nutzen. Klare Luft und sauberes Wasser gehören zum Markenzeichen der Gegend. Der Charakter von einer von grüner Natur und kleinen, dörflichen Strukturen geprägten Landschaft ist weitgehend erhalten geblieben. Die Dörfer nördlich der drei Chalkidiki-Finger, jenseits der Strände auf dem sogenannten „Handteller“ der Region, befanden sich touristisch gesehen bis vor Kurzem in komplettem Winterschlaf. Der Badetourismus absorbierte die Touristenströme, eine auf Besucher ausgerichtete Infrastruktur war fast überhaupt nicht vorhanden. Mit dem Konzept des Agrotourismus, getragen vom Tourismusministerium, wird nun seit Kurzem die Umkehr eingeleitet. Die Unterstützung kleiner touristischer Unternehmen, vom Restaurant bis zur Pension, die Förderung der lokalen landwirtschaftlichen Produktion und des traditionellen örtlichen Handwerks gehören zu diesem Konzept, das zum einen die lokale Kultur und den natürlichen Reichtum der Region bewahrt, zum anderen den Bewohnern eine realistische Zukunftsperspektive eröffnet. Die Besucher sollen eingebunden werden in die traditionellen Gegebenheiten, alte Kulturen kennenlernen, sich als Gast fühlen können, ohne dabei in der Masse der Touristen unterzugehen. Mittlerweile hat sich vor allem im Norden der Chalkidiki ein ganzes Netz von diesen „alternativen“ touristischen Unternehmungen etabliert, von denen einige hier beispielhaft vorgestellt werden sollen. Wer nach weiteren Unterkünften und Restaurants sucht, der wird auf der Website der AGRO-TOURISTIK fündig, allerdings nur in griechischer und englischer Sprache.
Die Straße durch das Holomondas-Gebirge, das rund 900 Meter hoch ist, windet sich in vielen Kurven über die Berghänge. Immer wieder gibt es herrliche Ausblicke und so vergeht die Zeit - langsam werden wir hungrig und müde. Der nächste Ort ist Arnea, ein hübscher kleiner Ort. An der Platia, dem Dorfplatz, den jeder Ort hier besitzt. Irgendwie scheint hier die Zeit viel langsamer zu vergehen. Vor einem Geschäft stehen einige Frauen und unterhalten sich, die gefüllten Taschen enthalten wohl das heutige Abendessen. Vor einer Taverne sitzen einige alte Männer vor einer Tasse Kaffee und spielen mit ihrem Kolomboi, dem typischen rosenkranzähnlichen Perlenkettchen, das hier fast jeder Mann besitzt. In einer kleinen Pension bekommen wir ein Zimmer, in dem es nach Lavendel und Thymian duftet. Später, es wird schon dunkel, sitzen auch wir in der Taverne und essen gegrillten Fisch, während sich der männliche Teil der Dorfbevölkerung ein Fußballspiel im Fernsehen ansehen.
 

Am Heiligen Berg Griechenlands

 
Bevor wir Arnea verlassen, decken wir uns noch mit Obst und getränken ein, dann fahren wir weiter Richtung Meer, das nur rund 30 Kilometer entfernt ist. Und als ob er es wüsste, verabschiedet uns der Pfarrer mit einem grandiosen Geläute vom Kirchturm. 30 Kilometer, das klingt nicht nach viel und doch brauchen wir dazu über eine Stunde. Dies liegt zum einen an der Straßenführung: in vielen Kurven geht es hinunter zur Küste. Doch auch die vielen schönen Blicke aufs Meer und die Küste Thrakiens lassen uns immer wieder anhalten. Schließlich schaffen wir es doch noch, wir sind wieder am Meer. Und schon ist es mit der Ruhe und Einsamkeit auch schon vorbei. Campingplätze und Apartmentanlagen markieren den Punkt, an dem das östlichste Bein der Chalkidiki aus dem Rumpf herauswächst. Wir fahren auf der Uferstraße der Spitze der Halbinsel entgegen, jedoch, weit kommen wir nicht - gleich hinter dem Städtchen Ouranopolis gibt es etwas, das in Europa eigentlich nur Flüchtlingen vorbehalten ist: eine Grenze. Es ist die Grenze zur berühmten Mönchsrepublik Athos Eine Grenze aus grauem Steinwall und Zäunen, abweisend wie eine Gefängnismauer. In Ouranopolis bricht sich die große Welle der Tagestouristen , die wegen der geheimnisvollen Mönchsrepublik herkommen. In den Gassen Restaurants mit Foto-Speisekarte, unzählige Souvenirshops und, auch jetzt schon, viele Touristen. Dazwischen und fast verloren, ein paar Mönche in ihren typischen, schwarzen Kutten und dünnen Sandalen sind unterwegs, sie eilen mit verschnürten Kartons und zerschrammten Koffern zum Schiff, das sie und die wenigen Pilger zum Hafen Dafni bringt, dem einzigen Einreiseort der Republik.
Wir sitzen im Schatten einer Pinie, die neben einem alten Festungsturm steht und wundern uns über den Rummel in der Stadt. Denn hier ist ja eigentlich Griechenland zu Ende, die Einreise in die Mönchsrepublik, ist schwierig und nur Männern, die als Pilger reisen, erlaubt. Frauen - sogar weibliche Haustiere - dürfen seit fast 1000 Jahren nicht hinein. Die Mönche in den orthodoxen Klöstern, derzeit rund 2300, verehren die Mutter Gottes, und der darf kein anderes weibliches Wesen Konkurrenz machen. Zutritt haben deshalb jeden Tag nur zehn ausländische Pilger, die im Besitz einer der kostbaren Besuchserlaubnisse sind. Alle anderen dürfen nur gucken, mit dem Schiff können alle - ab Weiblein oder Männlein - einen Blick auf Klöster und Berge des Athos werfen. Am Abend, wenn der letzte Bus abgefahren ist und die Sonne langsam hinter Amoliani ins Meer gesunken ist, wird es ruhiger. Vom Hafen aus bummeln wir durch die Straßen, trinken noch ein Glas Wein und freuen uns auf die Fahrt zum „Mittelfinger“, nach Sithonia.
 

Sithonia

 
Auf einer kleinen Straße entlang der Küste, die jede, aber auch jede Bucht „mitnimmt“, fahren gen Westen. Unterwegs finden wir immer wieder kleine, saubere Strände, die wir für uns ganz alleine haben; und wäre nicht die nahe Straße, könnten wir Adam und Eva spielen. Der erste Ort, den wir auf Sithonia ansteuern, ist Nikiti. Der Ort ist bekannt für seine Honigproduktion, unzählige verschiedene Honigarten werden angeboten. In und um Nikiti gibt es zahlreiche kleine und große, luxuriöse wie einfache Hotels, oft in direkter Strandlage. Auch unsere Oase Danai Beach Resort befindet sich hier (siehe Seite 90) Der Küste entlang fahren wir weiter in Richtung Neos Marmaras. Neos Marmaras ist der Hauptort der Halbinsel Sithonia. Wir bummeln durch die malerischen engen Gässchenhinunter zum Hafen, an vielen kleinen Geschäften, Tavernen und Cafés vorbei. Oberhalb von Neos Marmaras, etwa fünf Kilometer entfernt, liegt in 350 Meter Seehöhe Parthenonas. Vier Kilometer schlängelt sich die schmale Straße bergan, dann sehen wir die ersten kleinen Häuser, die sich über die sattgrünen Hügel verteilen. Die Häuser wurden aus Bruchsteinen errichtet, die flachen Dächer sind mit leuchtend roten Ziegeln gedeckt. Manche Häuschen sind verputzt und ockergelb oder weiß angestrichen, andere stellen sich aus der Nähe als Ruinen heraus mit halb eingestürzten Dächern, teils zerfallenen Außenwänden und Fenstern.Das Dorf Parthenonas war 1970 von seinen letzten Bewohnern verlassen worden. „Da waren die meisten schon lange zuvor nach Neos Marmaras direkt unten am Meer gezogen. Der neue Ort liegt sechs Kilometer entfernt und besteht erst seit 1920“, weiß Paul Karapapas, dem im Dorf oben am Berg die Taverne Parthenon gehört. Hier hat es keinen Strom, kein fließendes Wasser, keine wirkliche Lebensgrundlage mehr gegeben, das Leben am Meer erschien besser, leichter. So blieb der Ort, wie er war und der Charme des Ortes erhalten. Heute steht Parthenonas, dessen Geschichte vor 700 Jahren begann, komplett unter Denkmalschutz. Wohlhabende Griechen aus dem 120 Kilometer entfernten Thessaloniki haben etliche Häuser bereits originalgetreu restauriert und nutzen sie als Feriendomizile. Die alte Schule wurde liebevoll als Völkerkundemuseum eingerichtet.
Wieder hunter zur Küste. Die Hauptstraße wendet sich hinter Neos Marmaras für 20 Kilometer hinauf in die Berge, wer im wasserentlang fahren willen, nimmt die kleine Küstestraße. Auf ihr erreichen wir auch Porto Karras, einen (Alp)Traum des reichen Reeders Ioannis Carras. Er baute eine luxuriöse Ferienanlage mit Golfplatz, aus deren Zentrum zwei riesige Hotels in Schiffsform ragen. Sechzehn fahrtüchtige Schiffe opferte der Millionär für sein Pleiteprojekt. Der Initiator starb 1989, doch noch heute bleibt das Betreten einer zum Carras-Imperium gehörigen zehn Kilometer langen Küstenregion inklusive Naturpark allein Gästen der Hotels „Meliton“, „Sithonia Beach“ und des unscheinbaren „Village Inn“ vorbehalten.
Unsere Rundfahrt führt uns weiter durch schönen Wald und noch schöneren Stränden bis hin nach Toroni und Porto Koufo. In Toroni gibt es antike Ruinen an Land und unter Wasser, Porto Koufo ist ein fast geschlossener Naturhafen mit mehreren Fischtavernen, die zum Fischessen einladen. Schmeckte gut.
Nun wendet sich unsere Straße ab von der Westküste der Halbinsel Sithonia und man kommt immer wieder an verschiedenen Stränden und Buchten vorbei, an denen man einen Badestopp machen kann, die bekanntesten sind die Buchten von Kalamitsi und Kriaritsi. Nun wendet sich die Straße wieder gen Norden. Sykia, das nächste Dorf, welches auf der Strecke liegt, ist das größte Dorf von Sithonia und eines der ältesten der Chalkidiki. Sarti, ein kleiner schöner Fischerort mit einem langen und breiten Sandstrand, lädt zu einer Kaffeepause ein. Immer wieder sehen wir den Berg Athos auf der anderen Seite des Kolpos Agiou Orous.
Und dann haben wir ihn endlich erreicht - den Strand von Kavoroutribes. Im lichten Wald stehen zwei Autos mit Kennzeichen aus Griechenland, ein Pfad führt Richtung Meer, wird steiler und läuft in einem traumhaften Sandstrand aus. An den Seiten der Bucht steile Felsen, der Strand selbst nur schmal, aber jetzt im Mai noch leer und sauber. Nur am anderen Ende stehen zwei kleine Zelte.
Wir beide sitzen auf einem Felsen und sehen hinaus auf türkisfarbene Meer. Leise brechen sich die kleinen Wellen am Strand, irgendwo schreit ein Vogel, ein Schmetterling fliegt vorbei - wir sind angekommen.

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